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Operative Entfernung der Rachenmandeln

Die Rachenmandel liegt oberhalb des Zäpfchens hinter der Nase und ist ein Teil des körpereigenen Abwehrsystems. Vor allem bei Kindern ist die Rachenmandel häufig stark vergrößert. Dadurch ist die Atmung durch die Nase behindert. Das verstärkte Atmen durch den Mund erhöht die Anfälligkeit für Erkältungskrankheiten (Dauerschnupfen, Entzündungen von Ohren, Nase und Nasennebenhöhlen, chronische Bronchitis) und kann zu Schnarchen und Schlafstörungen durch eine behinderte Nasenatmung führen. Ferner kann eine, durch einen Erguss im Mittelohr bedingte, Hörstörung auftreten.

Der Eingriff wird meist im Kindesalter durchgeführt, da die Rachenmandel in der Pubertät eine Tendenz zum Schrumpfen zeigt. Wir empfehlen, die vergrößerte oder wuchernde Rachenmandel operativ zu entfernen (Adenotomie).

Der Eingriff:
Nach Einleitung der Narkose (Allgemeinanästhesie) wird der Kopf zurückgelagert und der Mund mit einem speziellen Spatel (Zugmesser) offen gehalten. Anschließend wird die Rachenmandel durch den Mund mit einem Ringmesser ausgeschält und entfernt. Bei Kindern wird dieser Eingriff manchmal mit der Entfernung der Gaumenmandeln (Adeno-Tonsillektomie) verbunden.
Der Eingriff dauert in der Regel etwa 20 Minuten. Wird gleichzeitig ein Schnitt im Trommelfell vorgenommen oder ein Paukenröhrchen eingesetzt dauert es entsprechend länger.

Welche Nebenwirkungen und Komplikationen können auftreten?
Die Adenotomie ist ein risikoarmer Eingriff. Nachblutungen sind sehr selten. Falls sie nicht innerhalb weniger Stunden zum Stillstand kommen, wird eine operative Blutstillung erforderlich.

Eine Infektion, Wundheilungsstörungen und Schmerzen sind nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Sie klingen in der Regel nach ein paar Tagen von selbst ab und können gegebenenfalls durch Medikamente gelindert oder beseitigt werden. Geringfügige Sprachveränderungen (z.B. ,,Näseln") nach der Operation geben sich meist nach einiger Zeit. Sehr selten werden Zunge, Gaumen oder Zäpfchen (z.B. durch den Mundsperrer) verletzt oder Zähne bzw. Zahnersatz beschädigt.
Eine Schädigung des sensiblen Zungennervs (Nervus lingualis) durch den Spateldruck kann vorübergehende, sehr selten andauernde Geschmacksstörungen oder Taubheitsgefühl der betreffenden Zungenhälfte zur Folge haben, eine Verletzung des motorischen Zungennervs (Nervus hypoglossus) Bewegungseinschränkungen der Zunge und dadurch ggf. Sprachstörungen.

In Einzelfällen kann eine Narbenbildung an der Mündung der Ohrtrompete infolge einer Belüftungsstörung bzw. eines Mittelohrergusses zu Schwerhörigkeit führen. Allgemeine Operationsrisiken, wie die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose) und ihre Verschleppung mit Verschluss eines Blutgefäßes (Embolie) sowie Wundheilungsstörungen sind bei diesem Eingriff sehr selten.

Auch begleitende Maßnahmen sind nicht risikofrei. So können z.B. Infusionen oder Injektionen selten einmal örtliche Gewebsschäden (Spritzenabszesse, Nekrosen, Nerven- und/oder Venenreizungen) oder allergische Reaktionen nach sich ziehen. Eine übertragung von Blut oder Blutbestandteilen (Transfusion) ist bei diesem Eingriff nur extrem selten erforderlich. Eine Infektion, z.B. mit Hepatitis-Viren (Leberentzündung) und extrem selten (1:1 Million Blutkonserven) mit HIV (AIDS), ist dann nicht auszuschließen. Ob BSE bzw. die neue Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung durch Blutprodukte übertragen werden, ist noch offen. Es wird aber alles getan, um ein denkbares Restrisiko in engsten Grenzen zu halten. Eine Eigenblutspende vermeidet diese Risiken, ist aber wegen der geringen Transfusionswahrscheinlichkeit bei diesem Eingriff nicht sinnvoll.

Behandlungserfolg
In aller Regel werden die auf der vergrößerten Rachenmandel beruhenden Beschwerden durch die Operation behoben. Schon bestehende Komplikationen (z.B. Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung, Paukenhöhlenerguss) können jedoch zusätzliche Behandlungsmaßnahmen notwendig machen. Rachenmandeln können nachwachsen; dies ist jedoch nach dem 4. Lebensjahr selten.

Bitte unbedingt beachten!
Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, müssen vor der Operation umgestellt bzw. abgesetzt werden. Bei der Einnahme von Marcumar® oder Falithrom® ist eine Umstellung auf Heparin unter ärztlicher Kontrolle notwendig. Acetylsalicylsäure-Präparate (z.B. ASS®, Aspirin®) müssen 1 Woche vor der Operation abgesetzt werden. Bitte besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer ärztin.

Nach dem Eingriff Sie sollten folgendes beachten:
  • erst nach 6 Stunden wieder essen


  • In den nächsten 8 Tagen:
  • keinen Sport treiben und körperliche Anstrengungen unbedingt vermeiden
  • Kinder vom Turnunterricht befreien
  • kleine Kinder nicht in den Kindergarten schicken
  • nur mäßig warm duschen, keine Vollbäder oder Saunabesuche
  • Vorsicht beim Haarewaschen
  • Kopfbeugen vermeiden


  • Sollten erhöhte Temperatur (über 38°C) oder Schmerzen auftreten, informieren Sie sofort Ihre ärztin/Ihren Arzt. Dasselbe gilt bei Blutungen aus Nase oder Mund, blutigem Husten und Teerstuhl, auch wenn diese Beschwerden erst einige Tage nach der Operation auftreten.
    Schutzimpfungen bei Kindern dürfen frühestens 4-6 Wochen nach dem Eingriff durchgeführt werden.


    Nach dem ambulanten Eingriff werden wir Ihnen mitteilen, wann Sie/Ihr Kind wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen. Sie sollten wegen möglicher Nachwirkungen der Narkose während dieser Zeit auch nicht an laufenden Maschinen arbeiten, Alkohol trinken oder wichtige Entscheidungen treffen.


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